radio victor showreel
Märkische Allgemeine Zeitung
22./23.10.2011
Borgia TV

 

Als Zeremonienmeister des Pabstes kühlt man das eigene Blut herunter bis zum Frost, man schaut mit Tunnelblick - Gott und die Welt behält man strikt im Auge. Und spricht mit schwerer deutscher Zunge, was ja im ZDF nicht weiter auffällt, weil die Tumulte um den Pabst hier ohnehin ins Deutsche übersetzt wurden. Eigentlich ist "Borgia" auf Englisch gedreht, und Johann Burchard ein Lakai, der ziemlich dämonisch aussieht. Filligran gespielt wird dieser blasse Kerl von Victor Schefé, einem Mann, der das Stoische dieser Rolle bis zum Anschlag ausreizt ... jemand, der einen doppelten Boden hinter die eigene Fassade zieht.

 
Zitty
20/2011
B.i.N. - Berlin im November Kino

 

"Awful rainy cold weather, I hate it", sagt eine Passantin, als man sie nach ihren Assoziationen zum Thema "Berlin im November" fragt. Ähnlich würden die meisten reagieren, fragte man sie nach dem grauesten aller grauen Monate, zumal im kalten Berlin. Umso überraschender, dass "B.i.N. - Berlin im November", ein dokumentarisches Filmessay zum Thema, ein launiger Streifen ist, der durch seine Nähe zum Berliner Novemberalltag überzeugt. Wie lebt, wie liebt, wie isst, wie leidet und wie kleidet sich der Berliner im November? Dem Schauspieler Victor Schefé gelingt es in seinem Regiedebüt, seinen Interviewpartnern - darunter Annette Humpe und Dani Levy genauso wie die Rentnerin aus der Eckkneipe -, authentische wie überraschende Antworten zu entlocken. Schefé führt uns bis in den letzten Winkel der Stadt, zeichnet in den Episoden von der Straße und mit starker Bildsprache ein Porträt eines undankbaren Monats, den man sich lieber im angewärmten Kinosessel antut als live und wahrhaftig.

(Text: Jens Uthoff)

 
RBB / zibb
20.10.2011
B.i.N. - Berlin im November Kino

B.i.N. ist kein politischer Film, eher ein Film mit politischem Bewußtsein. Victor Schefé läßt sich treiben und inspirieren von seinen Protagonisten und dem, was sie erzählen. Eine Liebeserklärung an Berlin und die Berliner, offen für ihre Macken und Ticks, wie auch für die Schönheiten der Stadt. "B.i.N. - Berlin im November" ein Film, der lichte Augenblicke in die dunkle Jahreszeit bringen kann.

 
BZ
22.10.2011
B.i.N. - Berlin im November Kino

 

Die Botschaft des Kinoabends im Babylon war: Wer Berlin im November aushält, der hat's geschafft in dieser Stadt. Riesenapplaus für den Dokumentarfilm "Berlin im November" von Victor Schefé. Der konnte sich nicht mit ins Kino setzen ("Ich bin viel zu aufgeregt"), danach aber im "Kosemtiksalon Babette" aller Lob genießen.

 
Der Tagesspiegel
20.10.2011
B.i.N. - Berlin im November Kino

Er ist der graueste aller grauen Monate. Umso überraschender, dass das  dokumentarische Filmessay "B.i.N. - Berlin im November"  ein launiger Streifen ist. Wie lebt, wie liebt, wie isst, wie leidet und wie kleidet sich der Berliner im November? In seinem Regiedebüt entlockt der Schauspieler Victor Schefé seinen bekannten und unbekannten Interviewpartnern authentische wie überraschende Antworten.

 
BILD Berlin
21.10.2011
Ich will nicht mehr die Tunte der Nation sein TV-Star Victor Schefé stellt seinen ersten Doku-Film vor

 

In seiner Rolle als "Waltraud" in der Comedy-Serie "Bewegte Männer" (2003-2005) liebten ihn Millionen Fernsehzuschauer. Doch sein Herzensprojekt ist ein Dokumentarfilm, den er in Eigenregie gedreht hat. "Berlin im November", seit gestern im Kino. Victor Schefé (43) schließt mit seiner schwulen TV-Vergangenheit ab: "Ich will nicht mehr die lustige Tunte der Nation sein. Immer, wenn ich dachte, irgendwann müssen die Leute "Waltraud" doch mal vergessen haben, lief irgendwo eine Wiederholung. Und alles ging von vorne los." Der ehemals "bewegte Mann" hat auch selbst eine bewegte Lebensgeschichte! Aufgewachsen in Rostock, Ausreise aus der DDR drei Jahre vor dem Mauerfall. "Ich war ein Rebell", sagt Schefé heute, der damals sein Abitur nicht machen durfte. Den 22. November 1986, Tag seiner Ausreise, nennt er seinen zweiten Geburtstag. Sein dritter sollte kurz darauf folgen. Mit Anfang 20 erkrankt er schwer - und überlebt. "Ich hatte Hodenkrebs, der schon überallhin gestreut hatte. Da habe ich gesagt: Ich kämpfe! Und habe überlebt. Heute habe ich eine Narbe wie ein Reißverschluss vom Hals bis zum Bauchnabel." Auch die Tatsache, auf einem Ohr nichts zu hören, hinderte ihn nicht daran Schauspieler zu werden. Mit Erfolg! Als einer der wenigen Deutschen ist er derzeit im ZDF-Epos "Borgia" zu sehen. "Berlin im November" ist Victor Schefés grandiose Liebeserklärung an Berlin. Warum gerade im November? Schefé: "Wir sind doch wegen des Mauerfalls alle Novemberkinder..."

(Text: Michael Schacht)

 
Märkische Allgemeine Zeitung
22./23.10.2011
Das bessere New York B.i.N. ist das Regiedebüt des Mannes, der meist die bösen Rollen spielt

 

Als Zeremonienmeister des Pabstes kühlt man das Blut herunter bis zum Frost, man schaut mit Tunnelblick - Gott und die Welt behält man strikt im Auge. Und spricht mit schwerer deutscher Zunge, was ja im ZDF nicht weiter auffällt, weil die Tumulte um den Pabst hier ohnehin ins Deutsche übersetzt wurden. Eigentlich ist "Borgia" auf Englisch gedreht, und Johann Burchard ein Lakai, der ziemlich dämonisch aussieht. Filigran gespielt wird dieser blasse Kerl von Victor Schefé, der das Stoische dieser Rolle bis zum Anschlag ausreizt. Nun sitzt er hier im Kino mit braunem Cordjackett und einem aufgeschlossenen Lächeln, als Antithese zum verschlossenen Eigenbrötler aus der Serie "Borgia", die in 40 Länder verkauft wurde. Schefé sagt, "gerade wird erwogen, eine zweite Staffel nachzulegen. Die Chancen stehen gut".

Er sitzt verträumt auf einem Schemel im Berliner "Babylon", er redet kurz von "Borgia", die Intrigenspiele unter der Sonne Roms, die sie vor allem in Prag gedreht haben - doch er denkt an etwas völlig anderes. An "Berlin im November", seinen ersten eigenen Film. Der Berliner Herbst raubt ihm die Ruhe. Man spürt das nicht, doch Schefé sagt: "Ich bin so aufgeregt wie wohl noch nie in meinem Leben." Das Handy klingelt, ein Telefonrasseln wie aus den "Derrick"-Filmen. "Ja Spatz, bis gleich, ich freu mich auf dich", sagt er mit seinem Bass. "Meine Stimme ist natürlich ein Gabe", sagt er, "sie ist nicht trainiert, sie ist einfach so tief", und um genau zu sein: Sie brummt beinahe, herrlich für eine Schurkenrolle. Auch sein Gesicht ist ein Geschenk, für Regisseure immerhin, die einen Irren suchen, einen Mörder, so einen wie Klaus Kinski, mit dem Schefé so oft verglichen wird. Doch er behauptet: "Ich kannte ihn nicht, erst nachdem alle sagten, es gäbe Ähnlichkeiten, habe ich ihn mir angeschaut. Also, seine Tochter Nastassja gefällt mir besser..."

Oft spielt Schefé die Freaks, auch Johann Burchard, päbstlicher Zeremonienmeister, ist so einer, jemand, der einen doppelten Boden hinter die eigene Fassade zieht. "Den Borgia-Regisseur Oliver Hirschbiegel kannte ich schon eine Weile, es wurde Zeit, dass ich nun endlich bei ihm mitspiele. Mein Gesicht passt wohl in die Epoche, ans Ende des 15. Jahrhunderts." "Borgia" ist eine der teuersten europäischen Fernsehserien, doch im Moment hat Schefé nur noch Augen für seinen Independentfilm, seine unabhängige Produktion mit wenig Geld und kleinem Team. "Berlin im November" ist ein charmant ungeschliffenes Dokumentarstück, über jenen Monat, in dem die Stadt noch etwas missmutiger aus der Wäsche schaut, als sonst. Prominente Freunde wie Annette Humpe oder Dani Levy, aber auch Passanten sagen, was man machen könnte mit diesem Patienten, dem novemberwunden Berlin. Der Ton ist reich, er spannt von "Die Schwaben sollen abhauen" bis "Eigentlich ist der November doch ganz bunt". Nein, ausgewogen ist das nicht, aber unterhaltsam allemal. Die Würstchenfrau, die kultivierte Comiczeichnerin, der gut geschminkte Transvestit, das alles ist ein Personal, das sonst kaum eine Bühne in den Kinos kriegt. "Berlin ist das bessere New York". sagt Victor Schefé, "hier darf man eine Flasche Bier auf der Straße trinken und eine Zigarette rauchen" - Schefé würde sich jetzt selbst sicher gern eine anstecken, nur noch 30 Minuten bis zur Premiere. Er redet noch ein bisschen von New York, das lenkt ihn ab. Schefé hat dort gelebt, als er 1986 aus der DDR wegging. Abitur haben sie ihn nicht machen lassen, er war kein Anpasser, es gab Ärger mit der Stasi; als er 18 wurde, konnte er das Land verlassen, über den Tränenpalast an der Friedrichstraße. Er erzählt in seinem Film davon, wie er Abschied nahm von der Mutter und den Freunden, mit der Vorstellung sie nie wiederzusehen. "Ich ging nach New York mit meinen 300 Mark, ich wollte Schauspieler werden. Das Geld hat nur für ein paar Tage gereicht, aber ich wusste: Wenn ich es dort schaffe, dann schaffe ich es überall." Nach eineinhalb Jahren kam er zurück nach Berlin, in den Westteil der Stadt, pünktlich zum Mauerfall. "Ich habe nie eine Schauspielausbildung gemacht, nicht in New York, nicht in Berlin - die letzten Jahre in der DDR waren Schauspiel genug. Es ging darum, sich zu verstellen, Rollen anzunehmen." Im "Tatort" oder "Polizeiruf 110" steht er oft auf der bösen Seite, auch im Film "Der Nuttenmörder" hat er sein Talent zum Dämonischen ausgespielt. Er ist Sohn eines russischen Diplomaten und einer deutschen Journalistin, kam 1968 in Rostock zur Welt und wurde in seinen ersten Filmen gern als Ostblock-Verbrecher besetzt. Was für ein Gegensatz zur freundlichen Seele, die er im persönlichen Gespräch offenbart. "Berlin im November" läuft am Sonntag auf einem Festival in San Francisco - ob er hinfliegt? "Ich weiß es noch nicht. Eigentlich bin ich viel zu müde nach der Arbeit an meinem ersten Film." Doch die Müdigkeit verfliegt während der Filmvorführung. Die Leute klatschen und Schefé, von "Borgia" ein üppiges Budget gewohnt, ruft in den Saal: "Kommt alle zur Premierenfeier in den Kosmetiksalon Babette! Wir sind ein kleines Team, haben nur wenig Geld, wollen aber richtig feiern."

(Text: Lars Grote)

 

 
Berliner Zeitung
21.10.2011
Das hat zehn Jahre gebrodelt Premiere von "Berlin im November" im Babylon

 

Die besonders begeisterten Berliner - das zeigt auch dieses Beispiel mal wieder sehr anschaulich - sind die Zugezogenen. Solche Leute, wie der Schauspieler Victor Schefé, der 1968 in Rostock geboren wurde und über den Umweg New York schließlich in Berlin landete. Der versucht gerade seinem Regiedebüt "B.i.N. - Berlin im November" eine guten Kinostart zu bereiten. Am Donnerstagabend wurde die Deutschlandpremiere im Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz gefeiert. Kommenden Sonntag ist die internationale Premiere auf dem Dokumentarfilmfestival in San Francisco geplant. In dem Film steckt sein privates Geld: "Etwa die Hälfte meines Honorars für den Mehrteiler 'Borgia' habe ich investiert." Und 'Borgia', eine internationale Großproduktion hat ihn immerhin sieben Monate beschäftigt. Wer Schefé nicht kannte, der wunderte sich vielleicht über die üppige Gästeliste seiner Berliner Premiere. Die Schauspieler Andreja Schneider, Alexandra Kamp und Leonard Lansink waren dabei, dazu die Musikerin Luci van Org und Harris. Schefé ist in Kollegenkreisen äußerst beliebt, was in seiner doch schlangengrubenähnlichen Branche keine Selbstverständlichkeit darstellt. Mit Andreja Schneider verbindet ihn besonders viel: Vor fast 20 Jahren produzierten beide gemeinsam die Musikshow "Stars in Bars", in der Schefé erstmals öffentlich sang. In "B.i.N. - Berlin im November" befragt der 43-Jährige bekannte und unbekannte Berliner. Der Film hat einen persönlichen Hintergrund: Im November 1986 verließ Schefé im Alter von 18 Jahren durch den Tränenpalast am Bahnhof Friedrichstraße die DDR. Anschließend stürzte er sich in ein wildes Leben, arbeitete als Kellner, DJ und Barkeeper. Nun, 22 Jahre nach dem Fall der Mauer, blickt er erstmals mit etwas Muße zurück. Dem Zuschauer begegnen im Film Annette Humpe, Suzanne von Borsody, Dani Levy und andere. Seinen Film sieht Schefé selbst als "Liebeserklärung an eine aufregende Stadt und ihre Menschen". Schefé, der in der DDR erst Akkordeon lernte und dann Leistungssportler wurde, hat sich bei der Produktion vom Rhythmus der Stadt treiben lassen. Er suchte und fand für seine 93 Minuten Berlin-Film Erhabenes und Skurriles. Was seiner Erfahrung nach in dieser Stadt allerdings auch besonders nah beieinander liegt. Wer die Premiere im Rahmen der Reihe "Neuer deutscher Film" verpasst hat, kann "B.i.N." an den kommenden Abenden ohne die Ablenkung durch den Prominentenauflauf und das damit verbundene Blitzlichtgewitter im Babylon sehen. Dass er für einen Jungfilmer erst im hohen Alter von 43 Jahren zu seinem Regiedebüt kam, erklärt Schefé so: "Ich habe eine lange Zeit gebraucht. Das hat zehn Jahre in mir gebrodelt."

(Text: Andreas Kurtz)

 
dapd
19.10.2011
Der Berliner Herbst als poetisches Stadtporträt Schauspieler Victor Schefé gibt mit "Berlin im November" sein Regiedebüt

 

Berlin (dapd). Ganz klar, Berlin ist männlich. Oder lesbisch. So ganz sicher ist sich Schauspielerin Alexandra Kamp bei der Antwort auf eine entsprechende Frage von Victor Schefé dann doch nicht. Für ihre Kollegin Suzanne von Borsody hingegen steht fest: Berlin ist eindeutig Zwitter. Für Chantal, Partyveranstalterin und Gastgeberin des "House of Shame", ist die Stadt ganz schlicht "polymorph-pervers". Es sind so simple wie ungewöhnliche Fragen wie jene nach Berlins sexueller Identität, die Victor Schefé für sein Regiedebüt Freunden, Kollegen wie auch Passanten auf der Straße stellte. Den ganzen November des Jahres 2009 war der Bühnen- und Filmschauspieler zusammen mit Kamerafrau Anna Pesavento durch die Stadt gezogen, um Auskünfte über Berliner Lieblingsorte und -worte sowie Lebensgeschichten und Momentaufnahmen einzufangen. Über ein Jahr saßen die beiden Filmemacher an 53 Stunden Rohmaterial, um daraus ihre poetischen Liebeserklärungen an Berlin zu fertigen. Am Donnerstag (20. Oktober) wird "B.i.N. - Berlin im November" im Kino Babylon nun uraufgeführt, drei Tage später feiert der Film beim San Francisco Documentary Film Festival seine internationale Premiere. "Ich langweile mich so schnell. Nur zu drehen oder auf der Bühne zu stehen, das ist mir auf die Dauer zu dröge.", sagt der Schauspieler, der aus Serien wie "Bewegte Männer" und "Polizeiruf" bekannt ist. Und warum ist das Regiedebüt dann ausgerechnet ein Dokumetarfilm geworden? "Ich bin zu faul, um Drehbücher für einen Spielfilm zu schreiben", gibt er im dapd-Gespräch zu. Diese Direktheit kennzeichnet auch die Gespräche, die Schefé quer durch die Stadt geführt hat und die nun zu bisweilen überraschenden Assoziationsketten montiert sind. Er besuchte die Stadtbücherei am Kottbusser Tor mit Blick auf Junkies und türkische Gemüsehändler, Katzenfreunde auf der Kleintiermesse, filmte auf dem Trödelmarkt und bei einer Tango-Party. Kamerafrau Anna Pesavento interessiert sich bei diesen Exkursionen vor allem für die kleinen, gerne übersehenen alltäglichen Details: Straßenkehrer, die sich mit dem Herbstlaub abmühen, nächtliche Leuchtreklamen oder die brutzelnden Würste auf dem Grill der berühmten Kreuzberger Imbissbude "Curry 36". Musikerin Annette Humpe verrät im Film ihre Lieblingsspeise: "Berliner Leber mit gebratenen Zwiebeln und Äpfel. Soll man ja nicht so oft essen, aber ein, zwei Mal im Jahr geb' ich mir das." Offenherziger und überraschender als die Statements der Prominenten sind zumeist zufällig eingefangene Interviews mit Nachtschwärmern und Menschen in der U-Bahn. "Gerade die Leute, die nicht auf uns vorbereitet waren, haben irrsinnig schnell ihr Herz aufgemacht und ohne Scheu los geplappert", stellt Schefé fest. "Vielleicht lag es daran, dass wir das kleinste Team der Welt waren oder dass die Leute mich kannten und womöglich mochten". Das Gesicht des gebürtigen Rostockers könnte bis Ende November in ganz Europa bekannt sein. Dann nämlich wird die erste Staffel der internationalen TV-Produktion "Borgia" in den ersten von über 40 Ländern gesendet sein. Schefé spielt in diesem Historiendrama über den Aufstieg einer spanischen Adelsfamilie in der Renaissance, das seit Anfang der Woche im ZDF ausgestrahlt wird, den päbstlichen Zeremonienmeister.

 
Berliner Morgenpost
15.4.2009
Radio Victor - Live Bar jeder Vernunft, Berlin

 

Wer den Schauspieler schon in seinem letzten Programm "Ein Stück Mond" erlebt hat, weiß, dass er als Sänger aus jedem Lied eine wahre Geschichte macht. Und sei sie noch so verrückt. Zu seinen eigenen Songs zählen Bissiges wie "Böse alte Männer" und Trash-Poetisches wie "Strohblumenstrauß". Schefé, den man vor allem als abgedrehte "Waltraud" aus der TV-Comedy-Serie "Bewegte Männer" kennt, entfesselt einen musikalisch-suggestiven Rausch zwischen Coolness und närrischer Überspanntheit, der Spaß macht.

 
Der Tagesspiegel
9./10.4.2009
Radio Victor - Live Bar jeder Vernunft, Berlin

Ein Großstadtmensch in Jeans und Kapuzenpulli betritt die Bühne der Bar jeder Vernunft und singt "030". Dazu lässige Bewegungen, laszives Lippenlecken... Jetzt sitzt er als Radiomoderator live im Studio von - so der Titel seiner zweiten Show - "Radio Victor". Er zieht eine Platte aus der Kiste und erzählt mit bassiger Stimme die Geschichte von Gaby, dem Mauerblümchen aus Blankerode. Verliebt in Peter, der nur Augen für Carola hat. Doch dann gehen die Düsen an, Schefés Band hebt ab und Gaby fliegt, ja sie fliegt - er streckt die Arme aus - und landet direkt im Park. "Gaby wartet im Park". sang schon Udo Jürgens. Aber worauf eigentlich? Schefé weiß es. Mit verspiegelter Pornobrille intoniert er den "Popstarsong": "Du kochst mit Wodka/Ich bin dir verfallen/Du bist mein Popstar/Dieser Song muss knallen." Es folgt der "Strohblumenstrauß", eine Ballade, bei der das Trommeln des Herzschlags langsamer wird, bis man die Luft anhalten möchte. Schefé beherrscht das Leise und das Laute... Die dreiköpfige Band ist toll, mühelos jongliert sie mit Ska, Rock, Pop, Chanson und lässt keine Bälle fallen.

 
Zitty
8/2009
Scheitern aushalten

Seine Ähnlichkeit mit Klaus Kinski scheint Victor Schefé für Rollen von Nuttenmördern, Psychopathen und Gangstern zu prädistinieren. Doch konnte der 40-Jährige in der TV-Sitcom "Bewegte Männer" als "Waltraut" auch mal seine komische Seite zeigen und wurde prompt in der Kategorie "Bester Darsteller Sitcom" für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Jetzt geht er mit "Radio Victor" auf Sendung, aber nicht über den Äther, sondern live in der Bar jeder Vernunft.

Was ist "Radio Victor" - ein Formatradio oder die Kritik daran? "Kein Formatradio, ganz sicher nicht. Es ist gewissermaßen mein Traum von Radio. "Radio Victor" spielt natürlich mit den Elementen einer normalen Radioshow - Jingles, Werbeblöcke, Stargast - aber ich spiele meine eigene Musik, es gibt keine automatisierte Playlist, keine Proporzgewichtung, sondern ich erzähle meine Geschichten." Ist "Radio Victor" also autobiografisch? "Es ist tatsächlich ziemlich autobiografisch geworden, obwohl es nicht mein Leben chronologisch erzählt, sondern Episoden daraus, teilweise überhöht und ins Absurde treibt. Auch die Coverversionen, die dazu kommen, von Gnarls Barkley bis Udo Jürgens, sind gezielt auf ihre Funktion innerhalb der "Radio Victor" - Geschichte ausgesucht. Diese lege ich dann demonstrativ als Vinylscheibe auf - ich habe zwei Turntables auf der Bühne - was dann aber von der Band live übernommen wird. Es gibt natürlich kein Playback." Inwieweit spielen die Rollen, mit denen Sie bekannt geworden sind, oder die immer wieder kolportierte Ähnlichkeit zu Klaus Kinski eine Rolle? "Für Kinski muss ich nicht so viel tun, das schwingt für die Leute schon visuell mit. "Waltraut" aber lasse ich in der Show sterben. Ich schlüpfe jedoch nicht in irgendwelche Rollen, obwohl jeder Song hier ein kleines Theaterstück ist." Was machen die Stargäste darin? "Die Stars, die ich einlade, haben alle etwas mit mir zu tun. Sie müssen das Wetter ansagen, aber haben auch die Aufgabe, mit mir einen Song in der Show zu lernen, der nicht vorher geprobt wurde. Und sie sind alle souverän genug, ein eventuelles Scheitern auszuhalten."

 
Berliner Zeitung
5.12.2006
Verdammt lange her Renaissance Theater, Berlin

Der Abend saust ab wie eine Rakete. Ein Spitzenensemble vereint Könnerschaft und Frohsinn bei der Arbeit. Nach gut zwei Stunden ist das Stück leider schon aus. Glücklich vom Klamauk hat man keine Lust, den Renaissance-Theatersessel jemals wieder zu verlassen.

 
Berliner Morgenpost
1.12.2005
Bumps und Grinds Bar jeder Vernunft, Berlin

In der Regie von Andreja Schneider präsentiert Mime Victor Schefé als Nachtclub-Conférencier Mr. Richard Smoker seine hübsch-appetitlichen Pussycats: »The Teaserettes«, Deutschlands erste New Burlesque-Gruppe... Heimlicher Star auf der glitzernden Flitter-Bühne ist Victor Schefé. Mit pomadisiertem Haar und rauchigem Bass die Inkarnation des leicht anrüchigen Gogo-Bar-Betreibers. Wenn er dann auch noch singt, hält man den Atem an.

 
TV Spielfilm
05 / 03
Bewegte Männer SAT 1

Rund 60 Tage hat das Team unter Regie von Mike Zens in einem Berliner Studio an den dreizehn Serienfolgen gearbeitet. Jeweils vier Tage wurde geprobt, am fünften ohne Publikum live aufgezeichnet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Comedy-Serie ist schräger als der Film, die Charaktere gekonnt überzeichnet. Nur das Traumpaar ist diesmal ein anderes: Macho Frank (Ingo Naujoks) und seine Waltraud (Victor Schefé) räumen richtig ab.

 
Süddeutsche Zeitung
25.4.2003
Bewegte Männer Sat 1

Kein Wunder, wenn da die zweite Reihe die Hauptrollen glatt an die Wand spielt: Victor Schefé als "Waltraut" und Ingo Naujoks als Frank liefern ihr schwules Ehepaar jedenfalls mit einer Selbstverständlichkeit ab, die Humor nicht ausschließt.

 
Adam
Juli/August 2003
Bewegte Männer Sat 1

So bissig und selbstbewusst wie seine "Waltraut" ist selten eine Tunte im deutschen Fernsehen gespielt worden.

 
Men's Magazine
April 2003
Eine andere Farbe in der Fernsehlandschaft

Als ich anfing, Filme zu drehen, war ich meistens der Russe. Und weil es in deutschen Produktionen selten gute Russen gibt, war ich immer der böse Russe." Victor Schefé muss selbst ein bisschen schmunzeln, wenn er einen Blick auf seine Filmografie und die bisherigen Rollen wirft. Denn neben dem bösen Russen finden sich da vorzugsweise Psychopathen, Trottel und Mörder. Im "Polizeiruf 110: Kopf in der Schlinge" (ARD) spielt er wieder so einen Gestörten, der in einer Traumwelt lebt und glaubt, er müsse seine Nachbarin vor dem Unheil der Welt beschützen. "Ich habe auch schon Kommissare gespielt und festgestellt, dass ich es spannender finde, wegzulaufen als hinterherzurennen." Einmal spielte Victor Schefé bislang in einer Familienproduktion. In der späteren Serie "Der kleine Mönch" (2002) sollte er neben Dirk Bach eine der Hauptrollen übernehmen. Noch vor der Ausstrahlung des Pilotfilms entschied man sich aber doch gegen ihn. "Ich glaube, auch wegen meines Gesichtes", sagt Schefé und lacht. Oli. P bekam dann später die Rolle. "Da habe ich gedacht, ich war wohl wirklich falsch." Schefé ist ein Exot im deutschen TV-Einerlei, in dem sich angepasste Stars und viele Möchtegern-Sternchen die Füße auf den Premierenpartys platt treten. Der 34-Jährige kann damit bestens leben. "Ich denke, ich bin eine gute Farbe in der Fernsehlandschaft. Und wenn ich nicht der deutsche TV-Star Nummer eins bin, dann ist das auch okay. Ich bin nicht begierig darauf, durch die Straßen zu rennen und erkannt zu werden." Das könnte ihm allerdings schon bald blühen, denn SAT.1 sendet im Frühjahr mit "Bewegte Männer" eine Sitcom, die die Geschichte von Sönke Wortmanns Kinoerfolg "Der bewegte Mann" weitererzählt. Schefé spielt darin den Schwulen "Waltraud". "Die schwierigen Zeiten schreien geradezu danach, dass man solche Angebote annimmt", sagt Schefé und spielt auf die Krise der Film- und Fernsehbranche an. Aber im Gegensatz zu Familienserien biete ihm eine solche Sitcom die Möglichkeit, Fernsehen und Theater zu verbinden. Denn die "Bretter, die die Welt bedeuten", waren immer schon die Leidenschaft des gebürtigen Rostockers, auch wenn er sich seit 1999 mehr dem Fernsehen widmet. Für seine Auftritte an Häusern in Berlin, Wien und Frankfurt - um nur einige zu nennen - bekam er überwältigende Kritiken. Vergleiche mit Klaus Kinski ließen denn auch nicht lange auf sich warten, ist eine gewisse physiognomische Ähnlichkeit doch durchaus vorhanden. Darauf werde er inzwischen häufig angesprochen, und seine "Standardantwort", sagt er dann, sei: "Ich liebe Nastassja Kinski. Klaus Kinski kannte ich nicht, bevor diese Geschichten aufkamen. Ich habe aber auch nichts dagegen. Er war sicher eine tolle Person, und es ist nicht das Schlechteste, mit so jemandem verglichen zu werden." Kinski war es also nicht, der ihn zur Schauspielerei brachte. "Das ist eher eine Erfindung von Journalisten", sagt der Einzelgänger. Was war es dann? "Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, in der Kultur eine große Rolle spielte." Noch mehr war aber der Musicalfilm "Fame", der damals in den Kinos lief und die Geschichte von nach Freiheit und Ruhm strebenden jungen Leuten erzählt, die eigentliche "Initialzündung" für seinen Berufswunsch. So wollte er leben. So wollte er sein. Also ging er im zarten Alter von 19 Jahren nach New York. Spontan. Dort musste er allerdings feststellen, dass die 300 Dollar, die er in der Tasche hatte, gerade einmal für ein paar Tage reichten und ihm nicht die Ausbildung finanzierten, die er gerne absolvieren wollte. Also ging er Kellnern, um sich seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, besuchte den einen oder anderen Schauspielkurs, genoss in erster Linie das Leben und war nach eineinhalb Jahren, wie er heute sagt, "ausgebrannt". "Irgendwann war es mir auch zu riskant, ohne Krankenversicherung zu leben. Außerdem bekam ich Sehnsucht nach Berlin, nach der deutschen Sprache und meiner Familie." Zurück in der Heimat ging alles recht schnell. "Mit ein bisschen Glück", wie er bescheiden sagt, bekam er ein Engagement an einem kleinen Theater in Berlin, die Karriere nahm ihren Lauf. Heute lebt der Sohn einer deutschen Journalistin und eines russischen (!) Diplomaten in Berlin, zum ersten Mal in einer eigenen Wohnung. "Ich bin jetzt fett über 30 und entwickle langsam Heimeligkeiten. Früher hätte ich jederzeit meine zwei Kisten packen und weggehen können. Das kann ich jetzt nicht mehr. Aber irgendwann hatte ich das Bedürfnis, die Tür zu meiner Wohnung auf- und vor allem zuzumachen. (Text: Stephanie Thyssen)

 
Süddeutsche Zeitung
17.3.2003
Polizeiruf 110 - Kopf in der Schlinge ARD
Eine wichtige Rolle scheint zudem der gestörte Nachbar von Maria Steinert, Benno Brack (Victor Schefé), zu spielen, der die attraktive Frau vergöttert und glaubt, er müsse sie beschützen. Selten waren Schmücke-Geschichten so spannend wie diese. Bis zum Ende bleibt unklar, wer hier schuldig ist. Jeder und keiner kommt als Täter in Frage. Die namhaften Schauspieler überzeugen allesamt unter der Regie von Hartmut Griesmayr. Vor allem gelingt es Victor Schefé, seiner Figur die hintergründige Undurchsichtigkeit zu verleihen, der der Film einen Großteil seiner Spannung verdankt.
 
Der Tagesspiegel
18.2.2002
Teddy Awards / Berliner Filmfestspiele Tempodrom, Berlin

Die vollbesetzte Arena des Tempodroms. Es ist die 16. Verleihung des Teddy und es ist die größte Party, die der Teddy e.V. aus diesem Anlass gibt. Nina Hagen ist da, Klaus Wowereit und seine bessere Hälfte Jörn Kubicki, Cora Frost singt, die Berlin Comedian Harmonists auch, Hella von Sinnen hält eine Laudatio und Alice Schwarzer eine Hommage. Sie huldigt ganz am Anfang der Verleihung, der verstorbenen Hildegard Knef. Glücklicherweise moderieren Andreja Schneider und Victor Schefé den Abend, sonst wäre die lange Show womöglich noch langatmig geworden.

 
Léonce
3 / 01
Der junge Mann und der Mond

Nuttenmörder, Psychopathen, Gangster. Die Rollenschublade für Irre, Schurken und Killer scheint für Victor Schefé reserviert zu sein. Und welcher Vergleich fällt den Kritikern dann immer wieder ein? Richtig: Klaus Kinski. Inzwischen ist man sich allgemein darüber einig, dass Kinski eine Macke hatte. Aber wie ist das bei Victor Schefé? Wir sitzen in einem Charlottenburger Lokal mit dem verheißungsvollen Namen Götterfreuden. Schefé wohnt um die Ecke. "Ich habe von Klaus Kinski nie etwas gesehen, bis diese Vergleiche anfingen", sagt er. Das müssen wir mal glauben, denn aufgewachsen ist ist der 32-Jährige in der DDR. Drüben hatten die doch nichts, weder Nescafé noch Kinski. Dafür Manne Krug, immerhin, aber den haben sie ja rausgeschmissen. Victor Schefé übrigens auch. Der Sohn eines Russen und einer Radiojournalistin hatte einen Ausreiseantrag gestellt. Mit 15 hat er einen amerikanischen Film gesehen: Fame ? Der Weg zum Ruhm. Von da an wusste er, was er wollte: nach New York. Denn da beginnt er schließlich, der Weg zum Ruhm. Das kommt also davon, wenn man sich Filme vom Klassenfeind ansieht. Schefé bestellt Karottensaft. Kann man sich Kinski, den Meister der hohen Kunst der Tobsucht, mit Karottensaft vorstellen? Versuchen wir es mit anderen Vergleichen. Die Kritiker sind da nicht verlegen: Brandauer und Oskar Werner, Gerd Voss und Woody Natural Born Killer Harrelson sind auch im Angebot. Schefé lächelt mit seiner breiten Entenschnute. "Das sind ja nicht die schlechtesten Namen, die da fallen. Alles Leute mit einer immensen Kraft. Ich vermute, dass sie privat genauso sind wie ich: eher zurückgenommen, sehr ausgeglichen." Zurückgenommen, ausgeglichen? Jetzt können wir Kinski endgültig vergessen. "Der ist eh ein Phänomen", tröstet Schefé und setzt einen geradezu philosophischen Satz hinzu: "Das bin ich nicht, und ich kann kein anderer sein." Schefé also. Der etwas stechende Blick, die übergroße Nase, der züngelnde Mund, das hagere Gesicht, dessen Muskeln zu erstaunlicher Akrobatik fähig sind - mit der Physiognomie muss man Karriere machen. Victor Schefé war der Elefantenmann. Anders als John Hurt im Film von David Lynch brauchte er keine Maske und schaffte es doch, wie ein Kritiker begeis-tert schrieb, "mit wenigen Gesten und etwas Minenspiel all das Leid, die Sehnsucht und die Freuden eines Todkranken" darzustellen. Die Rolle im Theater am Kurfürstendamm war 1991 nach einigen Engagements in Berliner Off-Theatern Schefés Durchbruch. Jetzt folgte großes Theater: das Wiener Schauspielhaus und die Wiener Festwochen. Film und Fernsehen mit Polizeiruf 110 und Das Leben ist eine Baustelle.Der Weg zum Ruhm begann für Jung-Victor tatsächlich in New York. Anders als die Protagonisten in Fame, anders auch als Liza Minelli und Al Pacino, geht der damals 18-Jährige DDR-Flüchtling allerdings nicht auf die berühmte Fiorello La Guardia High School of Music, Art and Performing Arts, sondern besucht Schauspielklassen an der New York Acting School. Er verdient sein Überleben mit einem geradezu klassischen Schauspielerjob. "Ich habe gekellnert", sagt er und beobachtet fachmännisch, wie die Bedienung ein einsames Weinglas vom Nachbartisch räumt. Dabei blieb manchmal nicht viel Zeit für die Acting School. Zurück in Berlin, will er die Schauspielerei doch noch richtig lernen. In der HdK-Aufnahmeprüfung schafft er es bis in die letzte Runde. Dann merkte er, dass es wohl doch nichts für ihn war. Ein Regisseur war auf ihn aufmerksam geworden und so spielte er in Off-Theatern. Nebenbei zeigte sich, dass die Zeit in New York nicht ganz umsonst gewesen war: Er kellnerte. In der Roten Harfe am Heinrichplatz etwa oder im Schöneberger Hafen. Dort ist er übrigens eines der Engelchen an der Decke und damit verewigt. Der Weg zum Ruhm läuft manchmal ein wenig irre. Weil Schefé hervorragend russisch spricht, wird er von Casting-Agenturen immer wieder gerne als Russe besetzt. Dabei wollte er eine Zeit lang weder Russen noch Killer spielen. Es kamen andere Angebote. Doch das langweilte ihn. "Die schrägen Typen sind einfach interessanter." Einen Vollmondmörder spielte er auch schon, in der SAT1-Serie Kommissar Rex. Und der Mond hat es ihm tatsächlich angetan, schließlich widmet er seinen ersten Soloabend dem Erdtrabanten. Ein Stück Mond hatte im Mai im BKA Premiere. Mit seiner samtig-tiefen, angenehmen Stimme trägt er von Tom Waits` Grapefruit Moon bis Celentanos La Mezza Luna haufenweise Mondlieder aus Rock und Pop vor und fügt noch ein paar eigene hinzu. "Es gibt ja diesen schönen Satz von Ulla Meinecke: Alle Schauspieler lieben die Musik, aber selten liebt die Musik die Schauspieler." Ulla Meinecke ist übrigens eine gute Freundin von Schefé. Ebenso wie Andreja Schneider von den Geschwister Pfister. Mit letzterer hat er vor acht Jahren schon einmal ein musikalisches Programm zusammengestellt. "Musik ist von allen Kunstrichtungen die, die mich am meisten rührt und interessiert", gesteht Schefé. " Gerade wenn du wie ich von der Bühne kommst, brauchst du dieses Adrenalin, diesen Live-Moment, dass auch was schief gehen kann." Warum spielt er dann seit einigen Jahren nicht mehr Theater? "Am Film drehst du halt vier, fünf Wochen und dann ist das vorbei. Für eine Theaterproduktion muss ich vier Monate meines Lebens komplett für die Produktion `drangeben. Das finde ich unverhältnismäßig." Ganz so reizlos kann Theater für ihn nicht sein. Schefé kommt in Beichtlaune: "Ich habe ein Stück in der Tasche, ein französisches Stück", verrät er. Welches? Nein, so weit reicht es dann doch nicht mit der Beichtlaune. Vielleicht aber das noch: "Ich bin kein Mannschaftssportler. Als Kind war ich Leichtathlet: Sprint, Sprung, zuletzt Hochsprung. Immer wenn wir Fußball spielen mussten, wollte ich ins Tor, da konnte ich wenigstens alleine sein. Ich bin kein Ensembletyp." Das klingt jetzt doch nach Kinski. Aber Schefé legt keinen Wert darauf, sich das Leben zu komplizieren. Eigentlich mag er das Kellnern ganz gern. "Das hat so was Normales: Zwei Bier. O.K., zwei Bier, neun Mark: Ansagen, Reagieren, Wegstellen. Das find ich gut. Vielleicht mache ich irgendwann einmal ein Restaurant auf." Schefé als Gastronom? "Mein Leben hat sich immer aus Zufällen entwickelt. Aus denen habe ich dann was gemacht oder nichts gemacht." Eine geradezu buddhistische Erkenntnis. (Text: Friedhelm Teicke)

 
Die Welt
16.05.2001
Ein Stück Mond Berliner Kabarett Anstalt (BKA), Berlin

Programmheft, erster Satz: "Ach nö, schon wieder so'n Schauspieler, der singt! " Der Texter hat erraten, was uns ad hoc einfällt. Muss der vielbeschäftigte Darsteller sich nun auch musikalisch produzieren? Bei Victor Schefé ist ein klares Ja die richtige Antwort..... Der große Blonde mit den tiefblauen Augen hat sich dem Planeten zugewandt, der nur durch Lichtschein sichtbar wird. Der Mond ist es auch, der thematisch zusammenhält, was an Stilen selten in einem einzigen Konzert aufeinander trifft: Jazz, Rock, Pop sowie LatinoRhythmen, Chansons und sogar ein Lied mit volksmusikalischem Einschlag. Schefé singt deutsch, englisch, russisch und französisch. Trotz Sprachenvielfalt und Stilmix- es funktioniert. Man glaubt kaum, dass der Künstler von zarter Statur seine Stimmlage derart vom Bariton in den "Keller" schicken kann, wo der edle Stoff für den kehlig-rauhen Whiskey-Sound gebunkert wird.

 
Berliner Morgenpost
04.05.2001
Ein Stück Mond Berliner Kabarett Anstalt (BKA), Berlin

Hier ist die Leichtigkeit des Seins spürbar und die Fröhlichkeit hat jenen winzigen Tick Wehmut, den man zum Überleben braucht. Jazzbesen vermischen sich harmonisch mit Piano und Bass. Die tiefe Stimme weiß: Auch Killer lieben Schnaps. Den Jackettkragen hochgeschlagen, den Blick düster und suchend gesenkt, singt der einsame blasse Wolf Stings Klassiker "Moon Over Bourbon Street", während die Welt für kurze Zeit den Atem anhält. Endlich gibt es das ultimative Programm für alle Mondsüchtigen, ersonnen, produziert und im BKA präsentiert vom Schauspieler Victor Schefé und Band. "Ein Stück Mond" - das heißt eintauchen, zuhören, wohlfühlen! Zweifler, die wieder nur an den vergeblichen Versuch eines Mimen auf dem steinigen Weg zu musikalischen Weihen glaubten, wurden bei der Premiere unter der Regie von Johannes Steinbrückner binnen Sekunden eines Besseren belehrt. Dieser Victor Schefé hat ein unerhört gutes Feeling für Songs. Einfach ein traumwandlerisch schöner Abend.

 
Der Tagesspiegel
06.05.2001
Ein Stück Mond Berliner Kabarett Anstalt (BKA), Berlin

Es ist vor allem diese Stimme, die eine Charaktermaske nach der anderen aufsetzt, ohne darüber ihr eigenes Gesicht zu verlieren: Ein leichtes Prononcieren der Konsonanten hier, ein sinnlich rauchiger Anstrich dort, mehr bräuchte es eigentlich nicht, um vom schnapstrunkenen Elendsidyll des "Säufermondes" zur Night-hawk-Loneliness des "Moon over Bourbon Street" hinüberzuwechseln. Ein großer Chansonnier im Werden, der leider noch in einem Schauspieler steckt.

 
Süddeutsche Zeitung
10.05.2001
Ein Stück Mond Berliner Kabarett Anstalt (BKA), Berlin

Es ist eine wagemutige Songauswahl, die Victor Schefé getroffen hat, diverse Stile- Jazz, Latin, Funk, Chanson. Aber es geht immer um den Song, jeder eine Perle für sich, jeder eine intensive Lebenserfahrung in drei Minuten. Und obwohl die Band so traumwandlerisch sicher und elegant von einem Musikstil in den nächsten gleitet, findet sich beim Interpreten immer ein wenig diese erwartungsvoll-melancholische Grundstimmung. Es gibt immer mehr als nur eine Dimension zu entdecken, im Song wie im richtigen Leben.

 
Berliner Zeitung
2.5.2001
Theater ist anstrengend und weltfremd
Vor drei Jahren schien das Kapitel Theater für Victor Schefé erst einmal abgeschlossen. Vier Jahre hatte er sich am Wiener Schauspielhaus in die erste Garde vorgearbeitet, an Angeboten mangelte es nicht, aber "es war nichts Spannendes dabei", erzählt Schefé, und das klingt nicht einmal überheblich oder wählerisch. "Theater ist anstrengend und komplett weltfremd", sagt er. "Theater hat mich selten berührt, Filme manchmal, am meisten aber schafft das Musik." In den vergangenen Jahren spielte Schefé in TV-Krimis und -Serien und in Kinofilmen wie "Fandango" und "Das Leben ist eine Baustelle". Der 32-Jährige mit der hager-schlaksigen Gestalt ist gut im Geschäft. In den Casting-Büros führt man ihn im Zweifelsfalle in Rubrik "Irre und Mörder". Sein Gesicht ist nicht das , was man branchenüblich als schön bezeichnet, aber eindrucksvoll: ein von dicken Lippen eingeschlossener Mund, eindringliche Augen und ein asketischer, bisweilen teuflisch-wahnsinniger und dann wieder unschuldiger Gesichtsausdruck. Es sind die schillernden, die zerbrechlichen und zerbrochenen Figuren, die Schefé am liebsten spielt: Menschen auf der Kippe. Er selbst wirkt bodenständig, mit einem unbändigen Tatendrang. Schefé ist einer, der sich selber den Weg bereitet und die Zufälle dabei zu greifen weiß. Aufgewachsen in Rostock hatte er bereits mit 16 gewußt: er will raus aus der DDR. Die Jahre der Gängeleien, Intrigen und der Lügen, sagt Schefé, waren seine Schauspielschule. Als er volljährig war, genehmigte man ihm den Ausreiseantrag. Schefé wollte dorthin, wo sein damaliger Lieblingsfilm "Fame" spielte: also ab nach New York. Als Kellner verdiente er sich Tanz- und Schauspielkurse, aber auch Gesangsunterricht. Gemeinsam mit Andreja Schneider von den Geschwistern Pfister hatte er schon einmal eine Musikshow auf die Beine gestellt, damals 1993 am Berliner Stükke-Theater. Jetzt knüpft er wieder daran an und verwirklicht einen Wunschtraum, nämlich Rio Reisers "Junimond". Eigentlich wollte er das Lied einfach nur als CD aufnehmen, aber dann kam ihm die Teeniband Echt zuvor. Aber wie immer kommen bei Schefé Wunsch und Zufall zusammen. Er macht nun einen ganzen Mond-Abend daraus. Der reicht von "Fly me to the moon" bis zum "Moon over Bourbon Street", verpackt in eine lockere Bühnengeschichte. "Eigentlich hatte ich gerade vor Musikern immer einen Riesenrespekt und hätte mich nie getraut, selbst als Sänger auf die Bühne zu treten. Aber dann habe ich gemerkt: Die kochen auch nur mit Wasser." Singen, sagt er, ist einfach nur eine Form der Sprache. (Text: Axel Schock)
 
BILD am SONNTAG
27.12.1998
Victor Schefé: Ist dieser Mann der neue Kinski?

Er war gerade dreizehn Jahre alt, als er im West-Fernsehen zum erstenmal den Tanzfilm "Fame" sah. Doch von da an stand für Victor Schefé fest: Ich will nach New York, und ich will Schauspieler werden. Der Rostocker erfüllte sich einen Kindheitstraum, verließ die DDR und ging nach Amerika. Mit Erfolg: Heute reißen sich die Filmproduzenten um ihn. Schefé ist jung, ehrgeizig und - kommt aus den neuen Bundesländern. Wie viele andere. Auch wenn nicht für jeden die Schauspielerei von Anfang an ein Lebensziel war - irgendwann fielen diese Männer den Regisseuren einfach auf. Weil sie Talent haben, und weil sie den Willen zum Erfolg haben. Neue Gesichter sind gefragt wie nie, und aus dem Osten kommen einige der Besten.

Er probt schon mal vor den Kulissen eines der größten Kinoerfolge der Geschichte - Fritz Langs Film "Metropolis". Doch Victor Schefé ist keineswegs größenwahnsinnig. Obwohl der 30-jährige Halbrusse nie eine Schauspielschule von innen sah, nennen ihn die Kritiker den "neuen Kinski". Warum, weiß er selbst nicht. "Ich muß wohl eine Kraft ausstrahlen, die Kinski auch hatte", vermutet er. Selbstvertrauen hatte er schon immer. Als 18-jähriger wanderte er per Ausreiseantrag ganz allein nach New York aus. Als kellner verdiente er sich ein paar Gesangs-, Tanz- und Schauspielkurse und startete durch. Zuletzt drehte der Berliner ("Das Leben ist eine Baustelle", "Kommissar Rex", "Polizeiruf 110") eine Neuverfilmung von Edgar Wallace' "White Face". (Text : Nina Maurischat)

 
Allegra
11 / 98
Killer-Ticket

Sie sehen: einen Massenmörder, eine Psychopathen und eine Marktlücke im deutschen Film. In Casting-Karteien wird Victor Schefé, Theaterstar (spielte unter anderem in "Engel in Amerika" am Schauspielhaus Wien), grundsätzlich in der Rubrik "Irre und Mörder" geführt. "Das stört mich aber nicht", sagt der Wahlberliner. "Im Gegenteil: Das sind mit Abstand die interessantesten Rollen." Im Oktober ist er in einem von fünf neuproduzierten Edgar-Wallace-Movies auf RTL zu sehen. Sozusagen als Neuauflage von Klaus Kinski. Nervt der ständige Vergleich? "Ich bin zwar eher Nastassja- als Klaus-Kinski-Fan, aber immer noch besser, als mit Sascha Hehn verwechselt zu werden." Da kann man nur schwerlich widersprechen.

 
Die Neue Furche
1.10.1998
Sergej Eröffnungspremiere Steirischer Herbst Graz

Der meiste des sonst überaus schütteren Applauses galt zu Recht dem Hauptdarsteller Victor Schefé, der einen in seiner Intensität an Gert Voss' Richard III. erinnerndes, eindrucksvolles Graz-Debüt gab.

 
Theater der Zeit
Nr. 6 / 1998
Sergej Eröffnungspremiere Steirischer Herbst Graz

Als Zerrbild der Gesellschaft scheint mir die Grazer Aufführung weitgehend gelungen. Nicht zuletzt durch die faszinierende Darstellung des Protagonisten Kron durch den jungen Victor Schefé.

 
Nürnberger Nachrichten
30.09.1998
Sergej Eröffnungspremiere Steirischer Herbst Graz

Victor Schefé in der Titelrolle absolviert eine Tour de force des ganz und gar ungenierten schauspielerischen Exhibitionismus.

 
Theaterheute
11 / 98
Sergej Eröffnungspremiere Steirischer Herbst Graz

Kaum ein Schauspieler kann das Gesicht so kunstvoll zu Grimassen des Ekels verziehen wie Victor Schefé.

 
Berliner Zeitung
30.09.1998
Sergej Eröffnungspremiere Steirischer Herbst Graz

Selbst das zweistündige Bühnenfurioso Victor Schefés war nicht imstande, Widners Pappkameraden Leben einzuhauchen.

 
Süddeutsche Zeitung
29.09.1998
Sergej Eröffnungspremiere Steirischer Herbst Graz

Allein Victor Schefé triumphiert an diesem Abend: Sein Kron ist ein verstörend schillernder Verbalterrorist mit infantil-böser Dimension. Assoziationen zu Kinski, Brandauer oder an den Natural Born Killer Woody Harrelson kommen auf.

 
Kleine Zeitung
28.09.1998
Sergej Eröffnungspremiere Steirischer Herbst Graz

Eingesprungen ist Victor Schefé aus Berlin: ein junger blonder Schauspieler mit markanten Gesichtszügen und züngelndem John-Malkovich-Mund. Er schmeißt sich in die Rolle als gelte es sich selbst zu retten. Er ist der kleine Prinz, der Richard III. sein möchte, ein yuppiehafter Zyniker, der die Welt dafür haßt, daß es ihn selbst darin gibt. Schefé spielt das irgendwo zwischen Klaus Kinski und Oskar Werner, sehr intensiv, mit kaltem Wahnsinn und komischem Trotz. Retten aber kann er nichts damit, außer seiner eigenen Würde als Schauspieler vielleicht.

 
Kronen Zeitung
28.09.1998
Sergej Eröffnungspremiere Steirischer Herbst Graz

Den Kron gibt mit bewundernswertem Einsatz und erstaunlicher Sprach-Nuancierung Victor Schefé: Ein Gesicht von diabolisch-spitzbübischer Janushaftikeit.

 
Salzburger Nachtrichten
28.09.1998
Sergej Eröffnungspremiere Steirischer Herbst Graz
Regiseur Christian Stückl konzentriert das Geschehen gänzlich auf die Stalin zitierende Titelpartie. Und Victor Schefe vermag dies trotz extrem kurzer Vorbereitungszeit (Paulus Manker war erst vor wenigen Wochen aus der Produktion ausgestiegen) zu nutzen: ein Großmeister der Blasphemie und Respektlosigkeit, ein größenwahnsinniger Kasper ordinär, ein "Menschenschwamm". Sein Changieren zwischen Infantilität und dämonischer Unberechenbarkeit hat Klasse.
 
GONG
42/1998
Victor Schefé: ein Mann wie Kinski

Anfang Oktober bekam der "Lukona"-Versenker und Mörder Udo Proksch im Grazer Gefängnis überraschenden Besuch. Victor Schefé, ein junger deutscher Schauspieler, wollte den Mann kennenlernen, der das Vorbild für die Rolle des Kron war, mit der er während des "Steirischen Herbstes" brillierte. Das Stück von Alexander Widner war zwar durchgefallen, die Kritik aber hatte dem jungen Schauspieler uneingeschränktes Lob gezollt: "Allein Victor Schefé brillerte an diesem Abend." Die Rolle des undurchsichtigen "Tigers mit Charme" hat den 30jährigen Schauspieler gereizt. Schillernde Figuren, die mit Überraschungen aufwarten, liegen ihm. "In diesen Rollen fühle ich mich am besten aufgehoben", gesteht Schefé, der sein Handwerk übrigens in New York gelernt hat. Dazu gehört auch der Part in Jo Henschels "Edgar Wallace: Whiteface - Der Teufel von Tidal Bassin". Anfang des Jahres stand er dafür vor der Kamera. "Da mache ich dann die Kinski-Nummer", lacht er. Fotos zeigen, daß er den großen Kinski gut studiert hat. Der Hauch von Wahnsinn steht ihm. Undurchschaubar ist auch der Part, den er im neuen "Sperling" übernommen hat. Er spielt einen mordverdächtigen Maler. Die Dreharbeiten brachten eine neue Erfahrung für Schefé: "Ich durfte zum erstenmal vor einem Ölbild stehen und wild rummalen." Allerdings ist der Sohn einens russischen Diplomaten und einer deutschen Journalistin nicht nur auf Bösewichte spezialisiert. Unter der Regie von Hajo Gies spielte er im August in dem ProSieben-Thriller "Die Handschrift des Mörders" einen Kommissar. Die Theaterarbeit in Graz war eine Herausforderung, die überraschend auf ihn zugekommen war. Der Schauspieler aus Leidenschaft sprang für einen Kollegen ein und hatte nur zweieinhalb Wochen Zeit, den Text zu lernen, um sich die Rolle anzueignen. "Das war Hochleistungssport", erinnert er sich. Deshalb ist Victor Schefé froh, jetzt erst einmal eine Pause einlegen zu können. Er wird sie ganz unspektakulär in seiner Berliner Wohnung genießen: "ich werde Bücher lesen, ins Kino gehen, viele neue CDs kaufen und Musik hören." Und was für CDs legt er auf? "Schwarzen Soul. Gesungen von schwarzen Frauen mit schönen Stimmen, wo ich immer Gott durchhöre." Es klingt wie das Bekenntnis eines Schwärmers. (Text: Monika Herrmann)

 
Süddeutsche Zeitung
2.5.1997
Post Mortem - Der Nuttenmörder RTL

Es ist wohl Segen und Fluch zugleich, wenn man als Schauspieler ein Gesicht hat wie Victor Schefé. Der Segen: dieses asketisch hagere, ausdrucksstarke Gesicht ist unverwechselbar, dieser flackernde Blick der übergroße Mund, dessen Lippen ein akrobatisches Eigenleben zu führen scheinen. Der Fluch: ein solches Gesicht wird in deutschen Casting-Büros unter der Rubrik "Irre und Mörder" geführt. Wenn also ein "Nuttenmörder" zu besetzen ist, der obendrein von religiösem Wahn gepeinigt wird, nimmt man so einen wie Victor Schefé.

 
GONG
14/97
Polizeiruf 110 - Der Fremde ARD

Regisseur Manfred Stelzer verstand es meisterhaft, die Atmosphäre eines 300-Seelen-Ortes im Norden der Ex-DDR einzufangen. Die großartige Karin Baal als biedere Dorfkneipen-Wirtin und Horst Krause und Victor Schefé als treudoof-schlitzohriges Bauern-Duo tragen zum launigen Lokalkolorit bei.

 
Der Tagesspiegel
29.4.1997
Polizeiruf 110 - Der Fremde ARD

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Bernd Seite (CDU) hat sich beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) über die jüngste Folge der Krimireihe "Polizeiruf 110" beschwert. Der am letzten Sonntag ausgestrahlte Film stelle das Bundesland falsch dar, erklärte Seite. Es sei unter anderem der Eindruck vermittelt worden, jeder Einwohner sei alkoholgefährdet. Der NDR habe als Landesrundfunkanstalt die Pflicht, wahrheitsgetreu zu berichten.

 
Münchner AZ
9.7.1996
Tatort ARD

Dazwischen Victor Schefé , der den Rhadames nur als zweite Besetzung spielen darf. Sein Sängermord durch Katzenallergie war in "Aida" eine wahrhaft altägyptische Idee - und eine Sternstunde im "Tatort"-Repertoire.

 
Kirche und Rundfunk
13.7.1996
Tatort ARD

Nein: Mitleid hat man mit diesen Opfern nicht, und eigentlich ist einem auch egal, wer sie gemeuchelt hat - es war, wie man sich denken konnte, die Zweitbesetzung des Radames (Victor Schefé), ein großartig exaltierter Mensch mit geradezu comicartiger Gummi-Mimik -, es läßt emotional so unberührt wie in der Oper, die man ja auch nicht um der echten gefühlserschütterung will, sondern wegen des musikalischen Kunstgenusses schätzt. Und Kunstgenuß bietet "Aida" auch als "Tatort" im Überfluß.

 
täglich alles
3.6.1996
Alma Wiener Festwochen

Man wandert mit den Komödianten in den Garten, in den Keller, in plüschig eingerichtete Salons. Die Schauspieler werden vor die schwierige Aufgabe gestellt, vom Stand aus die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu fesseln. Helmut Berger als Gustav Mahler und Victor Schefé als Walter Gropius gelingt das am besten.

 
Salzburger Nachtrichten
3.6.1996
Alma Wiener Festwochen

Helmut Berger ist als kraftloser Gustav Mahler ebenso subtil wie Victor Schefé in der Rolle von Almas zweitem Mann Walter Gropius stürmisch und schwärmerisch.

 
Düsseldorfer Handelsblatt
5./6.5.1995
Hysteria Schauspielhaus Wien

Victor Schefé verkörpert die grossartig witzige Karikatur eines eitlen Gockels, der die Lacher stets auf seiner Seite hat.

 
Kronenzeitung
29.4.1995
Hysteria Schauspielhaus Wien

Mit Victor Schefé als Dalí hätte Monty Python seine Freude.

 
Volksblatt
29.4.1995
Hysteria Schauspielhaus Wien

Gerhard Willert hat im Wiener Schauspielhaus mit leichter Hand inszeniert, mit exzellenter Besetzung: Rainer Frieb als Freud, Sylvana Krappatsch und der brillante Victor Schefé.

 
täglich alles
29.4.1995
Hysteria Schauspielhaus Wien
Als Maler Dalí brilliert Victor Schefé als personalisierter Surrealismus.
 
Die Presse
16.1.1995
Angels in America Schauspielhaus Wien
Victor Schefé spielt den Louis, und das ist schon ein kleines Kunststück. Er gibt einen, der noch Mitleid erhascht, wo er Leid zufügt. Er schnieft, fuchtelt. Alle Gefühle entäußern sich in Geste, Mimik. Das gälte als Outrage - wäre es nicht der Charakter, der hier beständig übertreibt in Haß und Liebe.
 
Der Tagesspiegel
2.2.1995
Angels in America Schauspielhaus Wien

Victor Schefé, in Berlin durch Auftritte am Stükke-Theater in guter Erinnerung, gibt den Louis als wunderbar wahrhaften Szene-Schwulen.

 
Süddeutsche Zeitung
16.1.1995
Angels in America Schauspielhaus Wien

Besonders stark der gänseschnütige Vicior Schefé. Blond ist Schefé schmal, nicht sehr groß, keine Schönheit. Seine Augen sind beredt wie seine Finger. Sie können schmollen und ängstlich flirten sie können bitten und betteln; sie können peitschen und prusten. Entschuldigungen, halbherzige, sind ihre Spezialität. Wut und Liebe wird Schefé zur Ekstase.

 
Der Tagesspiegel
29.5.1993
Stars in Bars Stükke-Theater Berlin

Kurz und knapp ist die Zugabe, höchstens vier Zeilen, eine Empfehlung ans Publikum: "Live your life gaily". Dann verschwinden Andreja Schneider und Victor Schefé endgültig aus der Bar - Understatemant ist hier Pflicht, da mag das Publikum noch so begeistert sein. Haben die beiden nicht gerade in einem ebenso dichtgedrängten Programm gezeigt, was dem droht, der zu lange im Scheinwerferlicht, vor allem: in der Bar verweilt?

Minutenlang tobt draußen sogar der Broadway: In einem hinreißenden Duett geben die beiden Cole Porters Gassenhauer "You're the Top". Ihre vollen Stimmen geben es her, vor allem das komödiantische Know-how der beiden Schauspiel-Sänger. Sinniert sie als melancholische, gereifte Barsängerin über die tiefere Bedeutung von Champagnerblasen, so poliert er mit Duldermine Sektkelche. Wie schafft es Victor Schefé nur, sein Gesicht in so unendlich viele Falten zu plissieren?

 
Magnus
06 / 93
Tote Mutter Stükke-Theater Berlin

Greenspan's Stück läuft gegen jede Logik und konservative Theaterdramaturgie. Berkenhoff hat das Potpourri aus Scherz, Ironie und tieferer Bedeutung mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln aufgerührt - nicht zuletzt dank eines genau geführten Ensembles, aus dem Andreja Schneider als quasselige Maxine und Victor Schefé als Onkel Saul hervorragen. Sein Monolog im Rollstuhl über eine Zahnarzthelferin und Mikrobenkolonien in Mundhöhlen funktioniert beinahe wie ein Stück im Stück und wird bei Schefé zu einer Endzeitvision, die für einen Moment die Komik in schieres Grauen um schlagen lässt.

 
Berliner Zeitung
20.1.1992
Clowns in the Kitchen Stükke-Theater Berlin

Victor Schefé zeigt als Ken seine Verletztheit ohne jedes Selbstmitleid. In den schlimmsten Momenten der Figur sitzt er da, als hätte er keine Haut mehr auf dem Körper. Wenn er den Überfall schildert erschüttern am meisten die Scham und Demütigung, die er erfahren hat. Schefé hat die Erwartungen an sein Talent nach dem "Elefantenmenschen" erneut bestätigt.

 
Magnus
2 / 92
Clowns in the Kitchen Stükke-Theater Berlin

"Clowns in the Kitchen" ist ein wichtiges und sehenswertes Stück. Es lebt von diesen intensiven Augenblicken, die vor allem Victor Schefés Darstellung des Ken zu verdanken sind.

 
die tageszeitung
20.1.92
Clowns in the Kitchen Stükke-Theater Berlin

Allein Ken scheint seinen Kopf nicht zu verlieren. Stur nicht zusammenbrechend, wandelt Victor Schefé zeitweilig mit dem Pathos des tödlich verwundeten Jesus von Nazareth über die Bretter und kann schließlich das Unglaubliche artikulieren: wie es ist, zu Brei geschlagen zu werden, ohne sich zu wehren.

 
Zitty
5.1.1991
Der Elefantenmensch Theater am Kurfürstendamm Magazin

Und dann ist da noch Victor Schefé als John Merrick. Seine Rolle ist schon sprachlich ein Kraftakt, aber wie er es schafft, uns ohne Maske,den Elefantenmenschen sichtbar werden zu lassen,wie er mit wenigen Gesten und etwas Mienenspiel all das Leid, die Sehnsucht und die Freuden eines Todkranken darstellt das ist ein Genuß ganz seltener Art.

 
Berliner Kurier
24.6.1991
Der Elefantenmensch Theater am Kurfürstendamm Magazin

Vor allem Hauptdarsteller Victor Schefé hat faszinierende Szenen von tiefer Menschlichkeit. Da regiert wirklich Geschmack bei dieser Geschmackssache.

 
Volksblatt
23.6.1991
Der Elefantenmensch Theater am Kurfürstendamm Magazin

"Dennoch hat die Aufführung einen Punkt, der sie legitimiert: Victor Schefé. Er gibt den Elefantenmenschen mit einer schauspielerischen Leistung, die gar nicht nach Art des heiteren Areals am Ku'damm qerät. Ein ernsthafter Versuch mit einem schlechten Stück und der Emanzipation eines Darstellers vom Kurfürstendamm."

 
Galerie des Theaters
23.6.1991
Der Elefantenmensch Theater am Kurfürstendamm Magazin

Wenn der Elefantenmensch sich dann endlich den Blicken der Zuschauer aussetzt, sehen wir keine bizarr zurechtmaskierten Deformierungen, sondern einen Schauspieler der die Häßlichkeit spielt, genauer: der vermitteln kann, wie ein Mensch sich fühlt, der seine abschreckend Wirkung kennt. Victor Schefé ist berührend und grossartig in seiner Demut in der unendliche Traurigkeit liegt.

 
BZ
24.6.1991
Der Elefantenmensch Theater am Kurfürstendamm Magazin

Wenn der Verunstaltete dann endlich gezeigt wird, sitzt er im Frack in der Badewanne. Mit gehetztem Blick lallt und lispelt Victor Schefé, schlürft und sabbert, stammelt und stöhnt, kaut und krächzt. Er ist von trübseliger Sanftmut wie ein Märtyrer. Bastelbesessen arbeitet er an einer Modellkirche. Wie ein verzückter Schüler inhaliert er seine erste Zigarette und starrt neugierig auf die Brüste der Frau, die vor ihm ihre Korsage löst. Diese linkisch traurige Romeo-und-Julia-Szene ist ein Höhepunkt des Abends.

 
Berliner Zeitung
25.6.1991
Der Elefantenmensch Theater am Kurfürstendamm Magazin

Aber Schefé öffnet mit seiner Figur so viel andere Welt, fesselt Denken und Fühlen so nachhaltig , daß die bekannte Welt mit ihren Eitelkeiten an Wichtigkeit verliert. Die keusche Liebe wird so beeindruckend gespielt, daß es ein Bild später Schefé gelingt mit der leisen Frage "Warum kommt sie nicht zurück?" die ganze Tragödie Merricks wiederzugeben. Dieser Abend war Schefés Abend.

 
die tageszeitung
5.7.1991
Der Elefantenmensch Theater am Kurfürstendamm Magazin
Anders als im Film trägt er hier keine Maske, und das ist gut so. Mit atemberaubender Gesichtsakrobatik mimt Victor Schefé allein mit den ehrlichen Mitteln seiner körperlichen Ausdruckskunst.